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Rund 72 Begriffe aus Administration, Sortiment, Preislogik, Technik und SEO – jeweils mit dem, was in Projekten tatsächlich zählt. Ausschließlich zu Shopware 6.
Kapitel 01
Was Shopware 6 ist, wie es aufgebaut ist und welche Begriffe in jedem Projektgespräch fallen.
Shopware 6 ist ein Shopsystem aus Deutschland, das seit 2019 verfügbar ist. Es wurde vollständig neu entwickelt und teilt technisch nichts mehr mit Shopware 5. Als Grundlage dient das PHP-Framework Symfony, die Daten liegen in einer MySQL- beziehungsweise MariaDB-Datenbank.
Der Kern ist quelloffen und in der Community Edition kostenlos nutzbar. Geld verdient Shopware über kostenpflichtige Editionen, über die Cloud-Variante und über Zusatzdienste. Für Shopbetreiber heißt das: Sie zahlen keine Lizenzgebühr, wenn Sie selbst hosten, tragen aber die Verantwortung für Server und Updates.
Die Storefront ist der Teil des Shops, den Ihre Kunden sehen: Startseite, Kategorien, Produktdetailseiten, Warenkorb und Checkout. Sie wird serverseitig mit der Template-Sprache Twig gerendert und lässt sich über Themes anpassen.
Wichtig zu verstehen: Die Storefront ist austauschbar. Wer möchte, kann sie durch ein eigenes Frontend ersetzen und Shopware nur noch über die API ansprechen. Für die meisten Shops lohnt sich das nicht – die mitgelieferte Storefront ist ein guter Ausgangspunkt.
Die Administration ist der Verwaltungsbereich, in dem Sie Produkte, Bestellungen, Kunden, Inhalte und Einstellungen pflegen. Sie ist als eigenständige Anwendung auf Basis von Vue umgesetzt und kommuniziert ausschließlich über die Admin-API mit dem Shop.
Der Begriff "Backend" wird umgangssprachlich oft synonym verwendet, stammt aber aus der Shopware-5-Welt. In der offiziellen Dokumentation heißt es Administration.
Ein Verkaufskanal ist ein eigener Ausgang aus derselben Shopware-Installation. Jeder Kanal hat seine eigene Domain oder Subdomain, eigene Sprache, Währung, Steuerregel, Kategorien, Zahlungs- und Versandarten.
Das ist das wichtigste Konzept für alle, die in mehrere Länder verkaufen oder B2B und B2C parallel betreiben. Statt zwei Shops zu pflegen, legen Sie Produkte einmal an und steuern über Kanäle, wer was zu welchem Preis sieht.
Die Community Edition ist kostenlos und deckt den vollen Funktionsumfang für einen normalen Shop ab. Darüber liegen die kostenpflichtigen Editionen Rise, Evolve und Beyond, die zusätzliche kommerzielle Funktionen freischalten – etwa erweiterte B2B-Funktionen, Mandantenfähigkeit oder Support-Zusagen.
In der Praxis starten viele Projekte mit der Community Edition. Ein Wechsel ist später möglich, ohne den Shop neu zu bauen. Prüfen Sie vor der Entscheidung, welche Funktion Sie wirklich brauchen – manches lässt sich mit einem Plugin günstiger lösen.
Bei der selbst gehosteten Variante liegt Shopware auf Ihrem eigenen Server. Sie haben vollen Zugriff auf Code und Datenbank, können beliebige Plugins installieren und individuelle Erweiterungen entwickeln – tragen aber die Verantwortung für Updates, Sicherheit und Performance.
In der Cloud übernimmt Shopware den Betrieb. Dafür sind die Eingriffsmöglichkeiten begrenzt: eigene Serverkonfiguration und beliebiger Individualcode entfallen. Für Shops mit ERP-Anbindung und eigener Logik ist selfhosted meist die passendere Wahl.
Shopware 6 braucht einen Webserver mit PHP in einer aktuellen Version, eine MySQL- oder MariaDB-Datenbank und ausreichend Arbeitsspeicher. Ein einfaches Webhosting-Paket reicht in der Regel nicht: Ohne Kommandozeilenzugriff lassen sich Installation, Updates und Indizierung nicht sinnvoll durchführen.
Die genauen Anforderungen ändern sich mit jeder Version. Prüfen Sie sie vor der Hosterauswahl in der offiziellen Dokumentation – ein zu schwaches Hosting ist der häufigste Grund für träge Shops.
Shopware pflegt die 6er-Linie kontinuierlich weiter. Die Sprünge zwischen Minor-Versionen wie 6.5, 6.6 und 6.7 sind zum Teil erheblich: Mit 6.7 wurden etwa die Administration auf Vue 3 umgestellt und umfangreiche Anpassungen für die europäische Barrierefreiheitsrichtlinie eingeführt.
Eine Version 7 ist nicht angekündigt. Für Ihren Shop ist die Versionsnummer ohnehin zweitrangig – entscheidend ist, ob Sie auf einem gepflegten Stand sind, für den es noch Sicherheitsupdates gibt.
Shopware stellt öffentliche Demo-Umgebungen bereit, in denen sich Storefront und Administration ohne Installation anschauen lassen. Das ist der schnellste Weg, ein Gefühl für die Oberfläche zu bekommen.
Für eine belastbare Entscheidung reicht das allerdings nicht. Der Unterschied zwischen Demo und echtem Projekt liegt in Ihren Daten, Ihren Prozessen und Ihren Schnittstellen – nicht in der Optik.
Kapitel 02
Wie der Shop aussieht und wie Sie Inhalte pflegen, ohne für jede Änderung einen Entwickler zu brauchen.
Die Erlebniswelten sind das Baukastensystem für Inhalte. Sie setzen Seiten aus Blöcken zusammen – Text, Bild, Slider, Produktlisten, Video – und ordnen sie in Sektionen an. Das Ergebnis lässt sich Kategorien, Landingpages oder Produktseiten zuweisen.
Der praktische Nutzen: Kampagnen, Aktionsseiten und Kategorieeinstiege entstehen im Backend statt im Code. Wer das konsequent nutzt, ist bei saisonalen Aktionen nicht auf die Agentur angewiesen.
Ein Erlebniswelten-Layout kann einmal gebaut und mehrfach verwendet werden. Sie definieren also beispielsweise ein Kategorie-Layout mit Kopfbild, Beschreibung und Produktliste und weisen es allen Kategorien zu.
Ändern Sie später das Layout, ändern sich alle zugewiesenen Seiten mit. Das spart erheblich Pflegeaufwand – setzt aber voraus, dass die Struktur zu Beginn durchdacht wurde.
Landingpages sind eigenständige Seiten außerhalb der Kategoriestruktur, etwa für eine Kampagne, eine Marke oder ein Thema. Sie bekommen eine eigene URL, eigene SEO-Angaben und lassen sich einem oder mehreren Verkaufskanälen zuordnen.
Für SEO sind sie ein wichtiges Werkzeug: Suchanfragen, die zu keiner Kategorie passen, lassen sich damit gezielt bedienen, ohne die Sortimentsstruktur zu verbiegen.
Ein Theme bestimmt Aussehen und Verhalten der Storefront. Themes erben vom Standard-Theme und überschreiben nur das, was tatsächlich anders sein soll – Farben, Schriften, einzelne Templates.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem gut und einem schlecht gebauten Shop: Ein Theme, das den Standard komplett kopiert, blockiert künftige Updates. Ein Theme, das gezielt überschreibt, lässt sich jahrelang mitziehen.
Ein Theme verändert die Darstellung. Ein Plugin bringt Funktionen mit. Beides lässt sich kombinieren, sollte aber getrennt bleiben: Geschäftslogik gehört nicht ins Theme.
Wird diese Trennung ignoriert, hängt später jede Funktion am Design – und ein Relaunch bedeutet, alles neu zu bauen.
Alle festen Texte der Storefront – Schaltflächen, Hinweise, Fehlermeldungen – liegen als Textbausteine vor und sind im Backend änderbar. Sie können sie pro Verkaufskanal und pro Sprache anpassen.
Das ist der einfachste Hebel für Tonalität: Aus "Zur Kasse" wird "Jetzt bestellen", aus dem Standardhinweis wird eine Formulierung, die zu Ihrer Marke passt. Ohne eine Zeile Code.
Die Hauptnavigation entsteht aus der Kategoriestruktur des jeweiligen Verkaufskanals. Welche Kategorie wo erscheint, steuern Sie über die Ebene und die Sichtbarkeitseinstellungen.
Der Footer wird über Footer-Kategorien und Service-Menüs gepflegt. Rechtliche Seiten wie Impressum, Datenschutz, Widerruf und Versandinformationen gehören dort hinein – sie sind Pflicht und werden bei Abmahnungen zuerst geprüft.
Bilder und Dokumente liegen in einer zentralen Medienverwaltung mit Ordnerstruktur. Shopware erzeugt daraus automatisch Vorschaugrößen (Thumbnails) für die verschiedenen Ausgabeorte.
Achten Sie auf die Ausgangsqualität: Zu kleine Bilder lassen sich nicht hochrechnen, zu große kosten Ladezeit. Ein sinnvoller Ausgangswert liegt für Produktbilder bei etwa 1600 bis 2000 Pixel Kantenlänge.
Kapitel 03
Die Datenseite des Shops – meist der Punkt, an dem Projekte länger dauern als geplant.
Ein Produkt kann Varianten haben – etwa Größen oder Farben. Varianten entstehen aus Eigenschaften: Sie legen die Eigenschaftswerte an, wählen sie im Produkt aus und Shopware erzeugt die Kombinationen.
Jede Variante hat eine eigene Artikelnummer, einen eigenen Bestand und kann einen eigenen Preis und eigene Bilder haben. Wer das sauber aufsetzt, spart sich später hunderte Einzelprodukte.
Eigenschaften beschreiben Merkmale, nach denen gefiltert werden soll: Farbe, Material, Größe. Sie sind gleichzeitig die Grundlage für Varianten und für die Filter in der Kategorie.
Zusatzfelder sind frei definierbare Felder für alles, was der Standard nicht vorsieht – etwa eine interne Kennung oder ein technisches Datenblatt. Sie lassen sich in Templates ausgeben und im Rule Builder verwenden.
Kategorien bilden die Struktur des Sortiments und damit die Navigation. Ein Produkt kann in mehreren Kategorien liegen; eine davon sollte als Hauptkategorie festgelegt werden, damit die URL eindeutig bleibt.
Für SEO ist die Kategoriestruktur oft wichtiger als jede einzelne Produktseite: Kategorien ranken auf die allgemeineren Suchbegriffe, nach denen tatsächlich gesucht wird.
Eine dynamische Produktgruppe ist eine Auswahl von Produkten anhand von Regeln statt anhand einer manuellen Liste – zum Beispiel "alle Artikel der Marke X, die auf Lager sind und über 50 Euro kosten".
Solche Gruppen aktualisieren sich selbst. Sie eignen sich für Aktionsflächen, Cross-Selling und Kampagnenseiten, die sonst ständig von Hand gepflegt werden müssten.
Die Filterleiste entsteht aus Eigenschaften, Hersteller, Preis, Bewertung und Verfügbarkeit. Welche Filter erscheinen, konfigurieren Sie pro Kategorie oder global.
Zwei Hinweise aus der Praxis: Filter ohne gepflegte Eigenschaften sind wertlos, und zu viele Filter überfordern. Bei technischen Sortimenten entscheidet die Filterlogik darüber, ob der Shop benutzbar ist.
Die integrierte Suche durchsucht Produktnamen, Nummern, Beschreibungen und Eigenschaften. Über Suchbegriff-Verknüpfungen lassen sich Synonyme hinterlegen, damit auch umgangssprachliche Bezeichnungen zum Ziel führen.
Bei großen Sortimenten lohnt sich eine leistungsfähigere Suchtechnologie wie OpenSearch oder Elasticsearch. Der Unterschied ist in Shops ab einigen zehntausend Artikeln deutlich spürbar.
Cross-Selling zeigt auf der Produktseite verwandte Artikel – Zubehör, Alternativen, häufig zusammen gekaufte Produkte. Die Auswahl kann manuell erfolgen oder über eine dynamische Produktgruppe.
Gut gepflegtes Zubehör ist einer der wenigen Hebel, die den Warenkorbwert zuverlässig erhöhen, ohne den Kunden zu stören.
Die Sortierung in Kategorien lässt sich frei definieren – nach Verkaufszahlen, Preis, Name, Neuheit oder einer manuell festgelegten Reihenfolge. Die Standardsortierung legen Sie pro Verkaufskanal oder Kategorie fest.
Die Standardsortierung wird oft unterschätzt: Was auf Position eins bis drei steht, bestimmt maßgeblich, was verkauft wird.
Kunden können Produkte bewerten; Bewertungen lassen sich vor der Veröffentlichung freigeben. Aggregierte Bewertungen können als strukturierte Daten ausgegeben und in Suchergebnissen als Sterne angezeigt werden.
Rechtlich müssen Sie darlegen, ob und wie Sie die Echtheit von Bewertungen prüfen. Wer nur verifizierte Käufe zulässt, ist auf der sicheren Seite.
Zu jedem Produkt gehören ein Bestand und eine Lieferzeit. Shopware zeigt die Lieferzeit abhängig davon an, ob der Artikel verfügbar ist oder nachbestellt werden muss.
Die Angaben sind wettbewerbsrechtlich relevant: Unbestimmte Formulierungen wie "kurzfristig lieferbar" sind angreifbar. Nutzen Sie konkrete Zeitspannen und pflegen Sie Bestände über die Warenwirtschaft.
Kapitel 04
Der Bereich, in dem Shopware seine Stärke gegenüber einfacheren Systemen ausspielt.
Kunden lassen sich Gruppen zuordnen – etwa Endkunden, Wiederverkäufer oder Großabnehmer. Pro Gruppe steuern Sie, ob Preise brutto oder netto angezeigt werden und ob eine Registrierung erst freigeschaltet werden muss.
Das ist die Grundlage für jedes B2B-Szenario: Erst über Kundengruppen wird aus einem Shop ein Kanal mit unterschiedlichen Konditionen für unterschiedliche Kunden.
Zusätzlich zum Listenpreis lassen sich Preise pro Kundengruppe oder über Regeln pro einzelnem Kunden hinterlegen. Damit sehen Stammkunden ihre ausgehandelten Konditionen, ohne dass jemand ein Angebot schreiben muss.
In Kombination mit einer ERP-Anbindung können diese Preise automatisch aus dem führenden System kommen – der Shop zeigt sie dann nur noch an.
Staffelpreise geben Mengenrabatte ab bestimmten Stückzahlen. Sie werden auf der Produktseite als Tabelle angezeigt und lassen sich mit Kundengruppen kombinieren.
Für den Großhandel ist das eine Kernfunktion. Achten Sie darauf, die Staffeln auch im Warenkorb nachvollziehbar darzustellen – sonst entsteht Rückfragebedarf im Innendienst.
Der Rule Builder ist ein Regelwerk, mit dem Sie Bedingungen zusammenklicken: Warenkorbwert, Kundengruppe, Land, Zahlungsart, Produkteigenschaften und vieles mehr. Diese Regeln steuern anschließend Preise, Rabatte, Versandarten, Zahlungsarten und Aktionen.
Der Rule Builder ist der Grund, warum viele Anforderungen in Shopware ohne Entwicklung lösbar sind. Gleichzeitig gilt: Zu viele verschachtelte Regeln werden schnell unübersichtlich – dokumentieren Sie, was Sie warum angelegt haben.
Aktionen bündeln Rabatte mit Bedingungen und Laufzeiten: prozentual, absolut, auf einzelne Produkte oder den ganzen Warenkorb. Über Regeln legen Sie fest, für wen sie gelten.
Aktionen können sich überlagern. Legen Sie fest, ob sie kombinierbar sind, und testen Sie den Fall, in dem mehrere gleichzeitig greifen – hier entstehen die meisten Fehler.
Gutscheincodes sind eine Ausprägung von Aktionen. Sie können als fester Code für alle oder als Satz individueller Codes ausgegeben werden, jeweils mit Einlösebeschränkungen pro Kunde und insgesamt.
Zu unterscheiden davon sind Wertgutscheine, die als Produkt verkauft werden. Diese benötigen in der Regel eine Erweiterung, weil sie buchhalterisch anders behandelt werden.
Ein Mindestbestellwert verhindert Bestellungen unterhalb einer Grenze. Ein Mindermengenzuschlag erlaubt sie, berechnet aber einen Aufschlag – im B2B die üblichere Variante.
Beides wird über Regeln und Versandkostenmodelle abgebildet. Wichtig ist, den Zuschlag im Warenkorb transparent auszuweisen, damit im Checkout niemand abspringt.
Pro Verkaufskanal lassen sich Währung und Steuerregeln festlegen. Steuersätze können länderabhängig definiert werden, ebenso die Frage, ob Preise brutto oder netto geführt werden.
Für den Verkauf ins EU-Ausland ist zusätzlich die Umsatzsteuer-Regelung für Fernverkäufe relevant. Klären Sie das mit Ihrer Steuerberatung, bevor der Kanal live geht.
Kapitel 05
Vom Warenkorb bis zur Rechnung – und was danach automatisch passieren kann.
Der Checkout führt in wenigen Schritten von Warenkorb über Adresse und Versandart zur Bestellbestätigung. Er ist bewusst schlank gehalten, weil jeder zusätzliche Schritt Abbrüche erzeugt.
Wenn Sie am Checkout etwas ändern lassen, prüfen Sie es besonders sorgfältig: Hier hängen Rechtstexte, Pflichtangaben und der eigentliche Vertragsschluss dran.
Die Gastbestellung erlaubt den Kauf ohne Kundenkonto. Im B2C senkt das die Hürde spürbar und reduziert Abbrüche im Checkout.
Im B2B ist meist das Gegenteil sinnvoll: Dort will man das Konto, weil Konditionen, Freigaben und Bestellhistorie daran hängen. Die Einstellung erfolgt pro Verkaufskanal.
Shopware bringt Grundfunktionen wie Vorkasse, Rechnung und Nachnahme mit. Gängige Anbieter wie PayPal, Mollie, Stripe oder Klarna werden über Erweiterungen angebunden; inzwischen bietet Shopware mit Shopware Payments auch eine eigene Lösung an.
Welche Zahlungsart Sie brauchen, entscheidet der Markt: Der Kauf auf Rechnung ist in Deutschland weiterhin zentral, in anderen Ländern gelten andere Gewohnheiten. Über Regeln lassen sich Zahlungsarten gezielt ein- und ausblenden.
Versandarten definieren Kosten und Verfügbarkeit der Lieferung. Die Preisberechnung kann sich an Warenwert, Gewicht, Menge oder Volumen orientieren; über Regeln steuern Sie, für welche Länder oder Kundengruppen eine Versandart überhaupt erscheint.
Klassisches Beispiel: Versandkostenfrei ab einem bestimmten Warenwert, aber nur innerhalb Deutschlands und nicht für Speditionsartikel.
Jede Bestellung hat einen Zahlungs-, Liefer- und Gesamtstatus. Auf dieser Basis erzeugt Shopware Dokumente wie Rechnung, Lieferschein, Storno und Gutschrift.
Die Dokumentvorlagen sind anpassbar. Prüfen Sie einmalig alle Pflichtangaben – fehlerhafte Rechnungen fallen erst bei der Betriebsprüfung auf, und dann rückwirkend.
Der Flow Builder automatisiert Abläufe nach dem Muster "Wenn Ereignis, dann Aktion". Beispiele: Bei Zahlungseingang eine E-Mail senden, bei Bestellungen über einem Betrag einen internen Hinweis auslösen, bei bestimmten Produkten ein Tag setzen.
Damit lassen sich viele kleine Handgriffe abschaffen, die sonst täglich anfallen. Es lohnt sich, die bestehenden Standard-Flows einmal durchzugehen und an die eigenen Abläufe anzupassen.
Alle automatischen E-Mails – Bestellbestätigung, Versandbenachrichtigung, Passwort zurücksetzen – liegen als Vorlagen vor und lassen sich pro Verkaufskanal und Sprache anpassen.
Diese Mails werden von fast jedem Kunden gelesen, oft mehrfach. Es lohnt sich, hier etwas Sorgfalt zu investieren, statt sie im Standard zu belassen.
Rücksendungen werden über Bestellstatus und Gutschriftdokumente abgebildet. Eine komfortable Selbstbedienung für Kunden bringt der Standard nicht mit; dafür gibt es Erweiterungen oder eine Anbindung an das ERP.
Überlegen Sie früh, wo Retouren geführt werden sollen – im Shop oder in der Warenwirtschaft. Doppelte Führung ist die häufigste Fehlerquelle.
Kapitel 06
Was Shopware für den Geschäftskundenhandel mitbringt – und was zusätzlich nötig ist.
Über Kundengruppen legen Sie fest, ob Preise brutto oder netto angezeigt werden. Für Geschäftskunden ist die Netto-Ansicht Standard; im Checkout wird die Steuer dann gesondert ausgewiesen.
Betreiben Sie B2B und B2C parallel, sind zwei Verkaufskanäle mit unterschiedlichen Kundengruppen der saubere Weg – nicht ein Kanal mit Umschalter.
Neue Geschäftskunden lassen sich erst nach Prüfung freischalten. Bis dahin sehen sie keine Preise oder können nicht bestellen – je nach Konfiguration.
Kombiniert mit einer Prüfung der Umsatzsteuer-ID vermeidet das, dass Endverbraucher zu Händlerkonditionen einkaufen.
Für komplexere Anforderungen bietet Shopware kommerzielle B2B-Funktionen: Mitarbeiterkonten unter einem Firmenkonto, abgestufte Rechte, Bestellfreigaben durch Vorgesetzte, Angebotsprozesse und Einkaufslisten.
Ob sich die höhere Edition lohnt, entscheidet sich an der Frage, wie viele Ihrer Kunden mehrere Besteller haben. Bei Einzelbestellern reichen Kundengruppen und Regeln meist aus.
Geschäftskunden bestellen selten über die Kategorienavigation, sondern über Artikelnummern und frühere Bestellungen. Eine Schnellerfassung und eine gut zugängliche Bestellhistorie sind deshalb wichtiger als jede Startseitengestaltung.
Diese Funktionen kommen je nach Edition mit oder werden über Erweiterungen ergänzt.
Kapitel 07
Was unter der Oberfläche passiert und worauf es im laufenden Betrieb ankommt.
Shopware arbeitet mit mehreren Cache-Ebenen. Der HTTP-Cache legt fertige Seiten ab, sodass sie nicht bei jedem Aufruf neu berechnet werden. Zusätzlich gibt es einen Objekt-Cache für wiederkehrende Datenabfragen.
Nach Änderungen im Backend muss der Cache teilweise geleert werden. Wenn eine Änderung im Shop nicht sichtbar wird, ist das in neun von zehn Fällen die Ursache.
Redis ist ein schneller Zwischenspeicher, der Cache, Sessions und Warenkorbdaten aufnehmen kann. Gegenüber der Ablage im Dateisystem bringt das bei mittleren und großen Shops einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil.
Ein Hoster, der kein Redis anbietet, ist für Shopware nur eingeschränkt geeignet.
Aufwendige Vorgänge – Bildergenerierung, Suchindex, Newsletterversand – laufen nicht sofort, sondern über eine Warteschlange im Hintergrund. Ergänzend gibt es geplante Aufgaben, die regelmäßig ausgeführt werden.
Beides muss auf dem Server dauerhaft laufen. Ist der Worker nicht eingerichtet, stapeln sich Aufgaben und der Shop verhält sich scheinbar zufällig fehlerhaft.
Damit Kategorien, Suche und Filter schnell antworten, hält Shopware vorberechnete Indizes vor. Nach größeren Datenänderungen – etwa einem Import – müssen diese neu aufgebaut werden.
Bei großen Sortimenten dauert das je nach Server einige Minuten. Planen Sie Importe deshalb nicht auf die Mittagszeit.
Plugins erweitern Funktionen, ohne den Kern zu verändern. Sie kommen aus dem Shopware Store oder werden individuell entwickelt und lassen sich in der Administration installieren und aktivieren.
Jedes Plugin ist eine Abhängigkeit. Vor jedem Update muss geprüft werden, ob es zur neuen Version passt. Weniger Plugins bedeuten günstigere Updates – das ist der wichtigste Grundsatz beim Aufbau eines Shops.
Composer verwaltet die PHP-Abhängigkeiten von Shopware und wird für Installation, Updates und die Einbindung vieler Erweiterungen benötigt. Die Arbeit findet auf der Kommandozeile statt.
Für Sie als Betreiber heißt das vor allem: Ihr Hosting braucht Kommandozeilenzugriff. Ohne ihn ist ein sauberer Betrieb nicht möglich.
Shopware veröffentlicht regelmäßig Sicherheits- und Funktionsupdates. Kleine Updates innerhalb einer Version sind meist unkritisch, Sprünge zwischen Minor-Versionen können Anpassungen an Theme und Plugins erfordern.
Die Regel aus der Praxis: Wer laufend aktualisiert, zahlt pro Update wenig. Wer drei Jahre wartet, zahlt am Ende ein Projekt. Führen Sie Updates immer zuerst auf einer Testumgebung durch.
Eine Staging-Umgebung ist eine Kopie des Shops zum Testen. Dort werden Updates, neue Funktionen und Plugins ausprobiert, bevor sie live gehen.
Wer ohne Staging arbeitet, testet auf den eigenen Kunden. Bei einem Shop mit relevantem Umsatz ist das keine Sparmaßnahme, sondern ein Risiko.
Der Wartungsmodus schaltet die Storefront für Besucher ab und zeigt eine Hinweisseite. Über eine Freigabeliste für IP-Adressen können Sie selbst weiterhin zugreifen.
Für längere Arbeiten sollte die Wartungsseite den voraussichtlichen Zeitraum nennen. Suchmaschinen behandeln den Zustand als vorübergehend, wenn er korrekt ausgeliefert wird.
Ein Backup umfasst Datenbank und Dateien, insbesondere die Medien. Beides gehört zusammen – eine Datenbank ohne die zugehörigen Bilder nützt wenig.
Entscheidend ist nicht, wie oft gesichert wird, sondern ob die Wiederherstellung getestet wurde. Ein nie geprüftes Backup ist eine Vermutung.
Für den Umzug von Shopware 5 und einigen anderen Systemen gibt es ein Migrationswerkzeug, das Produkte, Kunden, Bestellungen und Medien überträgt. Individuelle Erweiterungen und Templates werden nicht übernommen – sie müssen neu gebaut werden.
Der aufwendigste Teil einer Migration ist selten die Datenübernahme, sondern die Entscheidung, was mitkommen soll. Eine Migration ist die beste Gelegenheit, historischen Ballast loszuwerden.
Die Store API bedient alles, was mit dem Einkauf zu tun hat, und wird unter anderem von der Storefront selbst genutzt. Die Admin API deckt die Verwaltung ab und ist der Weg für ERP-, PIM- und Marktplatzanbindungen.
Weil beide vollständig sind, lässt sich fast jede Integration ohne Eingriff in den Kern umsetzen – ein wesentlicher Unterschied zu älteren Systemen.
Headless bedeutet, dass Shopware nur als Datenquelle und Bestellsystem dient, während das Frontend eigenständig gebaut wird – etwa als App oder als eigene Weboberfläche.
Der Ansatz bringt Freiheit, aber auch Aufwand: Alles, was die Storefront mitbringt, muss dann selbst gebaut und gepflegt werden. Für die meisten Shops ist das nicht wirtschaftlich.
Mit dem europäischen Barrierefreiheitsgesetz gelten für viele Onlineshops verbindliche Anforderungen. Shopware hat die Storefront in neueren Versionen daraufhin überarbeitet – etwa mit besseren Kontrasten, klarer Tastaturbedienbarkeit und sauberem HTML.
Ein aktuelles Shopware allein genügt allerdings nicht: Eigene Themes, Plugins und Inhalte müssen ebenfalls passen. Ob und ab wann Sie betroffen sind, klären Sie am besten rechtlich ab.
Kapitel 08
Sichtbarkeit in Suchmaschinen und die Werkzeuge, die Shopware dafür mitbringt.
Shopware erzeugt sprechende URLs aus Vorlagen, die Sie anpassen können – etwa ob die Kategorie im Produktpfad auftaucht. Änderungen wirken sich auf den gesamten Shop aus.
Ändern Sie URL-Vorlagen nach dem Launch nur mit gutem Grund und richten Sie Weiterleitungen ein. Sonst verlieren Sie Rankings, die Sie sich erarbeitet haben.
Titel und Beschreibung lassen sich pro Produkt, Kategorie und Landingpage pflegen; zusätzlich gibt es Vorlagen für den Fall, dass nichts hinterlegt ist.
Automatisch erzeugte Titel sind besser als keine, aber schlechter als geschriebene. Pflegen Sie zumindest die Kategorien und Ihre wichtigsten Produkte von Hand.
Wenn dieselbe Seite unter mehreren Adressen erreichbar ist – etwa ein Produkt in zwei Kategorien – verweist ein Canonical-Tag auf die maßgebliche Adresse.
Shopware setzt das im Standard vernünftig. Aufpassen muss man bei individuellen Erweiterungen, die eigene Seiten erzeugen.
Shopware erzeugt automatisch eine XML-Sitemap mit allen indexierbaren Seiten und aktualisiert sie in einem einstellbaren Intervall. Sie erreichen sie in der Regel unter /sitemap.xml.
Reichen Sie die Sitemap in der Google Search Console ein. Bei großen Shops wird sie in mehrere Dateien aufgeteilt – das ist normal und gewollt.
Die robots.txt steuert, welche Bereiche Suchmaschinen betreten dürfen. Sinnvoll ausgeschlossen werden Warenkorb, Kundenkonto und interne Suchergebnisse.
Ein verbreiteter Fehler: Nach dem Launch bleibt die Sperre aus der Entwicklungsphase stehen und der Shop wird gar nicht indexiert. Das gehört auf jede Launch-Checkliste.
Filterkombinationen können eine sehr große Zahl von URLs erzeugen. Ohne Steuerung landen tausende dünner Seiten im Index und verwässern die Bewertung des Shops.
Die übliche Lösung: Nur ausgewählte, tatsächlich nachgefragte Filterseiten indexieren lassen, den Rest ausschließen. Das ist eine der wirkungsvollsten technischen SEO-Maßnahmen überhaupt.
Shopware gibt Produktdaten wie Preis, Verfügbarkeit und Bewertungen in einem maschinenlesbaren Format aus. Suchmaschinen können daraus erweiterte Suchergebnisse mit Preis und Sternen erzeugen.
Prüfen Sie die Ausgabe nach dem Launch mit einem Testwerkzeug – fehlerhafte Angaben werden ignoriert oder führen zu Warnungen in der Search Console.
Bei Relaunch oder Migration müssen alte Adressen dauerhaft auf die neuen zeigen. Shopware pflegt für geänderte SEO-URLs selbst Weiterleitungen; für Adressen aus einem Altsystem braucht es eine eigene Liste.
Diese Liste zu erstellen ist mühsam und wird oft weggelassen. Es ist gleichzeitig der Punkt, an dem die meisten Relaunches Sichtbarkeit verlieren.
Shopware bringt eine Newsletter-Anmeldung mit Double-Opt-in mit. Für Versand, Segmentierung und Auswertung wird üblicherweise ein externer Dienst angebunden.
Achten Sie darauf, dass die Einwilligung dokumentiert wird und der Abmeldelink in jeder Mail funktioniert – beides wird im Streitfall geprüft.
Analyse- und Tracking-Werkzeuge werden über Erweiterungen oder einen Tag Manager eingebunden. Shopware kann dabei Daten zu Bestellungen und Warenkörben bereitstellen.
Tracking darf erst nach Einwilligung starten. Prüfen Sie nach der Einrichtung, ob wirklich nichts vor der Zustimmung lädt – das ist der häufigste Beanstandungsgrund.
Shopware liefert eine Grundfunktion für den Cookie-Hinweis mit, die zwischen technisch notwendigen und optionalen Cookies unterscheidet. Für komplexere Anforderungen kommen spezialisierte Consent-Lösungen zum Einsatz.
Entscheidend ist nicht das Banner, sondern was dahinter passiert: Ohne Zustimmung darf kein Analyse- oder Marketing-Skript geladen werden.
Schreiben Sie uns – wir ergänzen ihn. Und wenn es um Ihr konkretes Projekt geht, klären wir das lieber im Gespräch als über eine Definition.